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Format
Blog
Date
19. März 2026

Wie öffentliches Laden günstiger werden kann

Die Preise für öffentliches Laden sind in Deutschland intransparent. Europäische Regulierungen und nationale Pläne fordern bereits Besserung. Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung schnell Maßnahmen für mehr Markttransparenz umsetzt. Das würde Verbraucher:innen entlasten und Deutschland als Standort für E-Mobilität stärken.

von Fanny Tausendteufel, Projektleiterin Industriepolitik und Sektorenkopplung bei Agora Verkehrswende

Öffentliches Laden kann in Deutschland leicht zur Kostenfalle werden. Elektroautos werden zwar meist privat geladen, zu Hause oder am Arbeitsort, doch gerade Menschen, die über keinen eigenen Stellplatz verfügen, sind auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Für sie birgt das öffentliche Laden erhebliche finanzielle Risiken, denn die Preisgestaltung ist häufig intransparent und komplex. 

Diese Unübersichtlichkeit bremst den Hochlauf der Elektromobilität. Das gefährdet nicht nur das Erreichen der nationalen Klimaziele im Verkehrssektor, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie. Auch mit Blick auf die Sozialverträglichkeit ist es wichtig, dass eine gut ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung steht.

Es gibt konkrete rechtliche Hebel, um die öffentlichen Ladepreise kurz- bis mittelfristig zu senken. Das zeigen eine Analyse und ein Gutachten von Agora Verkehrswende, der Stiftung Klimaneutralität und der Kanzlei Becker Büttner Held. Zentral ist dabei die Stärkung des Wettbewerbs durch mehr Preistransparenz. Gleichzeitig gilt es sicherzustellen, dass es für Unternehmen attraktiv ist, in den Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur zu investieren.

Preistransparenz erhöhen

Mehr Preistransparenz würde zum einen das sogenannte Ad-hoc-Laden erleichtern, bei dem ohne festen Vertrag direkt an der Ladesäule gezahlt wird. Häufig erfahren Kund:innen den Preis erst, wenn sie bereits vor der Säule stehen. Diese mangelnde Preistransparenz im Vorfeld schränkt die Auswahl- und Wechselmöglichkeiten ein. Würden die Preise vorab leicht zugänglich veröffentlicht, ließen sich die Angebote vor dem Laden vergleichen. Das würde den Wettbewerbsdruck erhöhen und voraussichtlich die – aktuell oft über dem Vertragsladen liegenden – Ad-hoc-Ladepreise senken.

Zum anderen würde mehr Preistransparenz auch beim Vertragsladen den Wettbewerb fördern. Beim Vertragsladen schließen Kund:innen einen Vertrag mit einem Anbieter (Elektromobilitätsprovider, EMP) ab, der entweder eigene Ladeinfrastruktur betreibt und/oder über Roaming-Vereinbarungen Zugang zu Ladepunkten anderer Betreiber (Charge Point Operator, CPO) ermöglicht. 

Zwar sind die Tarife in der Regel online einsehbar, jedoch häufig komplex ausgestaltet: Blockiergebühren ab einer bestimmten Standzeit, unterschiedliche Tarifmodelle (zum Beispiel: S/M/L) oder gesonderte Preise für Roaming-Ladevorgänge erschweren die Vergleichbarkeit. Hinzukommt, dass je nach Vertragspartner an ein und demselben Ladepunkt gravierende preisliche Unterschiede entstehen können, die für Autofahrer:innen kaum nachvollziehbar sind.

Wären die Ad-hoc-Ladepreise leicht einsehbar, stünden sie in direkter Konkurrenz zu den Vertragstarifen. Wenn unklar ist, welche Gesamtkosten ein Vertragsmodell tatsächlich verursacht, entscheiden sich Verbraucher:innen womöglich eher für das Ad-hoc-Laden – sofern der Preis dort klar und nachvollziehbar ausgewiesen ist. Das würde auch den Wettbewerbsdruck beim Vertragsladen erhöhen und die Preise für das Vertragsladen idealerweise senken.

Europäische und nationale Vorgaben umsetzen

Die Bundesregierung hat es in der Hand, die Preistransparenz beim öffentlichen Laden zu ermöglichen. Sowohl die EU-Regulierung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur (Alternative Fuels Infrastructure Regulation, AFIR) als auch der Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 der Bundesregierung sehen eine Stärkung der Preistransparenz vor. Entscheidend ist nun eine zügige und konsequente Umsetzung. 

Gemäß AFIR sind Ladeinfrastrukturbetreiber bereits verpflichtet, ihre Ad-hoc-Preise öffentlich bereitzustellen. Das Bundesverkehrsministerium soll laut Masterplan diese Daten über seine Plattform Mobilithek zentral zugänglich machen, sodass Ad-hoc-Preise aller Betreiber gebündelt, in Echtzeit und diskriminierungsfrei abrufbar sind. Damit entsteht eine Preistransparenzstelle, die die Einbindung der Daten in Apps und Navigationssysteme ermöglicht.

Zur Stärkung des Wettbewerbs gehört neben der Veröffentlichung der Preisdaten auch eine fortlaufende Überprüfung des Marktgeschehens. Laut EU-Regulierung müssen die Preise, die Ladepunktbetreiber gegenüber Privatkund:innen und Ladestromanbietern erheben, diskriminierungsfrei sein. Dafür ist insbesondere zu klären, wann ein Preisunterschied als gerechtfertigt bewertet werden kann – und wann als Diskriminierung. Auf dieser Basis könnte man gegen unzulässige Preisunterschiede vorgehen. 

Das würde insbesondere helfen, die Preisunterschiede zwischen verschiedenen Ladestromanbietern an ein und demselben Ladepunkt zu minimieren. Verantwortlich ist das Bundeswirtschaftsministerium, weil es die Umsetzung der deutschen Ladesäulenverordnung steuert, in enger Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium.

Schritt für Schritt zum fairen Wettbewerb

Deutschland braucht einen fairen Wettbewerb an der Ladesäule – für bezahlbare Preise, besseren Komfort, eine schnellere Elektrifizierung, effizienten Klimaschutz und mehr Wettbewerbsfähigkeit der Automobilwirtschaft auf den Märkten der Zukunft. Die Stärkung der Preistransparenz beim öffentlichen Laden ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung; weitere Schritte sollten folgen, etwa bei der diskriminierungsfreien Ausschreibung von Ladestandorten in Kommunen und an Autobahnen. Wichtig ist dabei auch zu gewährleisten, dass Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur ein attraktives Geschäftsmodell für Unternehmen bieten. Wie es damit vorangeht, hängt im Wesentlichen von der Bundesregierung ab. Je schneller sie handelt, desto besser.

Dieser Text erschien zuerst als Standpunkt im Tagesspiegel Background Verkehr & Smart Mobility.

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