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Dieser Inhalt ist auch verfügbar auf: Englisch

Format
Politikpapier
Date
14. Januar 2026

Private Elektromobilität effektiv fördern

Empfehlungen zur Erschließung neuer Marktsegmente für privat finanzierte Elektroautos

Einleitung

Die Elektromobilität und damit der deutsche Automobilmarkt befinden sich an einem Wendepunkt. Nach einem schwachen Jahr bei den E-Auto-Verkäufen 2024 zeigt sich 2025 eine Erholung: Ein Marktanteil von rund 19 Prozent bei den Neuzulassungen und über 545.000 verkaufte reine Elektrofahrzeuge im Jahr 2025 bedeuten für Deutschland ein Rekordjahr. Unterstützt wird das von steigenden Eigenzulassungen der Hersteller,1 aber auch der private und gewerbliche Markt außerhalb von Kfz-Handel, Herstellern und Vermietern hat nach den signifikanten Rückgängen im Vorjahr im 2025 wieder deutlich an Dynamik gewonnen. Deutsche Hersteller dominieren dabei den heimischen Markt und haben sogar höhere Marktanteile als bei Verbrennerfahrzeugen.

Trotz der neuen Dynamik beim Markthochlauf von Elektroautos reicht deren Anzahl jedoch noch nicht aus, damit der Verkehrssektor einen ausreichenden Beitrag zu den Klimaschutzzielen leistet. Nach bisher verfügbaren Daten sind im Jahr 2025 die Verkehrsemissionen leicht um 1,4 Prozent gestiegen und die Bundesrepublik verfehlt abermals die auf EU-Ebene geltenden Klimaschutzvorgaben der sogenannten Effort Sharing Regulation für Gebäude und Verkehr.2 Es bestehen noch immer materiellen Hürden für den Kauf eines E-Autos und potenzielle Käufer:innen werden von den Debatten über vermeintlich gleichwertige technologische Alternativen verunsichert. Das sorgt dafür, dass Deutschland seine Ziele für den Markthochlauf von Elektroautos verfehlt und im globalen Wettbewerb – insbesondere im Vergleich zu China – zurückfällt.

Die steigende Nachfrage nach Elektroautos mit Einführung des Umweltbonus und das sofortige Einbrechen des Marktes nach dem abrupten Aussetzen zum Jahresende 2023 haben noch einmal deutlich gemacht, dass der Markthochlauf von Elektrofahrzeugen über nationale Maßnahmen maßgeblich gesteuert werden kann. Welche Ansatzpunkte und Fördermaßnahmen sich für die Bundesregierung anbieten, um die Elektromobilität als Option für Klimaneutralität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in der politischen Diskussion zu stärken sowie das Vertrauen in die Elektromobilität zu vertiefen, untersuchen Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität in dem gemeinsamen Projekt Regaining Trust.

1  Der Anteil von herstellereigenen Neuzulassungen von vollelektrischen Pkw betrug von Januar bis November 2025 12 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2023 lag der Anteil bei 10 Prozent und 2024 bei 7 Prozent. Bei Verbrennern stieg der Anteil der herstellereigenen Neuzulassungen zwischen den Vergleichszeiträumen 2023 und 2025 von 7 auf 8 Prozent.

2 Agora Energiewende (2026).

Das Projekt Regaining Trust

Ziel des Projekts ist es aufzuzeigen, wie die Elektromobilität in Deutschland in die Breite gebracht werden kann. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Gesamtkosten von E-Autos unabhängig von Fahrzeugsegment und Ladeoptionen günstiger als die von Verbrennern sind. Welche Maßnahmen sich dafür anbieten, wird im Rahmen des Projekts zunächst für privat finanzierte Fahrzeuge erarbeitet, anschließend für den Gebrauchtwagenmarkt sowie gewerblich zugelassene Fahrzeuge. Im Rahmen des Projekts wird auf rein batterieelektrische Pkw fokussiert, da diese einen deutlich größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als andere Optionen – beispielsweise Plug-In-Hybride.

Der Koalitionsausschuss hat sich am 27./28. November 2025 auf Eckpunkte eines neuen Programms zur Förderung von Elektroautos verständigt, um mehr Privatpersonen den Umstieg auf klimaneutrale Mobilität zu ermöglichen. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die neue Anschaffungsförderung für privat finanzierte, neu zugelassene Pkw wurde das vorliegende Papier als Auskopplung der Ergebnisse des Projekts erarbeitet. Parallel wird im Projekt weiter ausgearbeitet, inwieweit auch Gebrauchtwagen in ein solches Förderprogramm mit aufgenommen werden können und wie auf nationaler Ebene der Hochlauf der Elektrofahrzeuge bei den gewerblichen Zulassungen beschleunigt werden kann.

Ein hochrangig besetzter Begleitkreis mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Verbänden, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft unterstützt die Projektarbeit seit Juli 2025. Die in diesem Austausch gesammelten Perspektiven und Anregungen haben maßgeblich zur Schärfung der Analysen und hier vorgelegten Empfehlungen beigetragen.

Zugrundeliegende Analysen

Das Projekt fokussiert in einem ersten Schritt auf zwei zentrale Herausforderungen, die den Hochlauf von privat finanzierten Elektroautos bremsen:
die im Vergleich zum Verbrenner noch höheren Anschaffungskosten, insbesondere im günstigen Fahrzeugsegment, 
und die intransparenten, oft hohen Preise an öffentlichen Ladesäulen.

In Kombination sorgen diese Faktoren dafür, dass insbesondere Menschen mit niedrigem Einkommen, die auf ein Auto angewiesen sind und in Mehrfamilienhäusern wohnen, bisher nicht umsteigen.

Das vorliegende Papier stützt sich bei den Empfehlungen zur Erschließung neuer Marktsegmente für privat finanzierte Elektroautos auf zwei wissenschaftliche Grundlagen:

  • eine repräsentative Befragung von 3.000 potenziellen E-Autokäufer:innen, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Innofact im August 2025. Die Umfrage identifiziert unterschiedliche Gruppen von Kaufinteressierten, ihre spezifischen Barrieren beim E-Auto-Kauf und ihre Präferenzen für mögliche Fördermaßnahmen;
  • ein Rechtsgutachten der Anwaltskanzlei Becker Büttner Held, das regulatorische Optionen zur Senkung der Ladepreise und zur Erhöhung der Markttransparenz analysiert. Der Fokus liegt dabei auf kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen innerhalb des bestehenden EU-Rechtsrahmens.

Auf dieser Grundlage beschreibt das vorliegende Papier, wie die Politik die Rahmenbedingungen für private E-Autokäufer:innen verbessern kann.

Zentrale Ergebnisse und Empfehlungen

Die Befragung zeigt: Die grundsätzliche Bereitschaft zum Umstieg auf E-Mobilität ist in der Breite der Bevölkerung vorhanden. Nur etwa zehn Prozent lehnen den Kauf kategorisch ab. Die Hauptbarrieren sind deutlich erkennbar: zu hohe Anschaffungskosten, Probleme bei der Ladeinfrastruktur und Bedenken bezüglich der Haltbarkeit von Batterien.

Besonders aufschlussreich ist das Ergebnis, dass Menschen mit Lademöglichkeit zu Hause eine um 76 Prozent höhere Kaufbereitschaft aufweisen. Doch nur ein Viertel derjenigen, die bereits über private Ladeinfrastruktur verfügen, fahren tatsächlich elektrisch. Hier liegt ein kurzfristig aktivierbares Potenzial von mehreren Millionen Käufer:innen.

Die Ende November 2025 im Koalitionsausschuss beschlossene Anschaffungsförderung ist damit ein guter erster Schritt, um den Hochlauf von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen. Im Idealfall wird die Förderung rückwirkend zum 1. Januar 2026 gewährt, um Kaufzurückhaltung zu verhindern, auch wenn die Implementierung der Förderrichtlinie noch etwas Zeit benötigen sollte. Die Einbeziehung von Plug-in-Hybriden in die Förderung ist jedoch klimapolitisch kontraproduktiv. Im Falle einer Förderung sollte diese geringer ausfallen und nur kurzfristig gewährt werden oder an einen elektrischen Fahranteil von mindestens 80 Prozent im realen Betrieb geknüpft werden.

Während das Laden zu Hause den E-Pkw in vielen Fällen wirtschaftlich attraktiv macht, kostet Strom an öffentlichen Schnellladern sehr viel mehr. Das ist ein erheblicher Kostennachteil für alle ohne eigenen Stellplatz.3 Die komplexen und intransparenten Preismodelle verschärfen diese soziale Schieflage. Das Rechtsgutachten zeigt, dass vor allem die Stärkung des Wettbewerbs kurzfristig gute Chancen bietet, die Preise für öffentliches Laden zu reduzieren.

Aus diesen Erkenntnissen leiten Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität mehrere Empfehlungen ab, wie die Politik die Rahmenbedingungen für private E-Auto-Käufer:innen in drei zentralen Bereichen verbessern kann:

a) Faire Anschaffungspreise:
einkommensabhängige Anschaffungsförderung (bis 4.000 Euro Bruttoeinkommen) mit Fokus auf batterieelektrische Fahrzeuge mit einem Kaufpreis von unter 60.000 Euro,
gezielte Unterstützung des Gebrauchtwagenmarkts zur sozialen Teilhabe,
Förderung verschiedener Finanzierungsformen (Kauf, Leasing, Finanzierung).

b) Transparente und faire Ladepreise:
Einrichtung einer bundesweiten Markttransparenzstelle für Ladeinfrastruktur,
konsequente Durchsetzung der EU-Vorgaben zu diskriminierungsfreien Preisen.

c) Besserer Zugang zur Ladeinfrastruktur:
Abbau bürokratischer Hürden beim Ausbau privater Ladeinfrastruktur,
gezielte Förderung von Ladepunkten in Mehrfamilienhäusern.

Der Weg nach vorn

Die Elektromobilität hat in Deutschland die Nische längst verlassen und ist auf dem Weg, für Neuzulassungen zum neuen Normal zu werden. Dabei dominieren Modelle von deutschen Herstellern. Im November waren beispielsweise die Top-10 der bestverkauften Modelle von deutschen Autobauern. Die aktuelle Stärke deutscher Hersteller auf dem heimischen E-Auto-Markt bietet die Chance, auch international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die industrie- und klimapolitischen Ziele liegen daher eng beieinander. Entscheidend ist, dass das Vertrauen wächst und eindeutige Signale von der Politik gesendet werden: Die Zukunft für Deutschland ist das E-Auto. Das ist wirtschaftspolitisch vernünftig und klimapolitisch notwendig. Jetzt geht es darum, dafür zu sorgen, dass sich alle Elektromobilität leisten können, die auf ein Auto angewiesen sind.

Die vorliegenden Empfehlungen sollen einen Beitrag dazu leisten, diese politische Aufgabe zu lösen, sind kurzfristig umsetzbar und können schnell Wirkung entfalten. Denn die Zeit drängt – im Wettbewerb um eine zukunftsfähige Automobilindustrie und im Wettlauf gegen die Erderhitzung.

3 Agora Verkehrswende (2025b): Stellschrauben für günstigere E-Pkw. URL: www.agora-verkehrswende.de/veroeffentlichungen/stellschrauben-fuer-guenstigere-e-pkw. Letzter Zugriff am: 5. November 2025.

Bibliographische Daten

Autor:innen
Marion Vieweg, Fanny Tausendteufel (Agora Verkehrswende); Frederik Digulla (Stiftung Denkfabrik Klimaneutralität)
Publikationsnummer
141-2026-DE
Versionsnummer
1.0
Veröffentlichungsdatum

14. Januar 2026

Seitenzahl
30
Zitiervorschlag
Agora Verkehrswende & SKN (2026): Private Elektro­mobilität effektiv ­fördern. Empfehlungen zur Erschließung neuer Marktsegmente für privat finanzierte Elektroautos.

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