Zum Hauptinhalt gehen
Format
Daten
Date
1. September 2026

ÖV-Atlas 2026

Wir zeigen anhand von Fahrplandaten aus ganz Deutschland, wo das Angebot des öffentlichen Verkehrs am besten ist – und wo die größten Lücken sind.

ÖV-Atlas 2026

Der ÖV-Atlas 2026 misst flächendeckend, wie gut die Menschen in Deutschland an den öffentlichen Verkehr (ÖV) angebunden sind. Grundlage sind bundesweite Fahrplandaten, die mit dem Bevölkerungsraster des Zensus verknüpft wurden. Das Ergebnis liegt in zwei räumlichen Auflösungen vor: für 400 Kreise und für knapp 11.000 Gemeinden (siehe die beiden folgenden Karten). Beide Ebenen decken dieselben rund 82 Millionen Einwohner:innen ab.

Abb. 1: Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots nach Gemeinden

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Abb. 2: Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots nach Kreisen

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Der zentrale Wert für die Anbindung eines Gebietes an den öffentlichen Verkehr ist die ÖV-Güteklasse. Diese Methode wurde vom Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) entwickelt. Für jede bewohnte Rasterzelle von 100 mal 100 Metern werden drei Merkmale erfasst: 

  1. Entfernung: Wie weit ist die nächste Haltestelle entfernt? 
  2. Taktdichte: Wie häufig wird dort eine Abfahrt angeboten? 
  3. Verkehrsmittelart: Welches Verkehrsmittel fährt dort? 

Ein S-Bahn-Halt wird dabei höher bewertet als eine Bushaltestelle. Daraus entsteht eine Skala von Güteklasse A für die beste bis Güteklasse F für die schwächste Anbindung. Wer selbst dieses Mindestangebot nicht erreicht, fällt in eine Restkategorie, die im Datensatz des ÖV-Atlas „keine Güte“ heißt.

Aus der Verteilung der Bevölkerung innerhalb eines Gebietes auf die Güteklassen lässt sich zusätzlich die durchschnittliche ÖV-Güte dieses Gebiets als Zahlenwert berechnen. Neben der durchschnittlichen Güte je Gebiet weist der Datensatz für jede Güteklasse aus, wie viele Menschen ihr zuzuordnen sind. Eine genauere Erläuterung bietet das Kapitel „Methodik und Quellen“.

Die Güteklasse beschreibt das Angebot an einem Wohnort, nicht die tatsächlich erlebte Reisequalität. Sie beschreibt, wie nah am Wohnort die nächste Haltestelle liegt und wie oft dort ein Fahrzeug abfährt – jedoch nicht, wie schnell und zuverlässig ein Ziel erreicht wird. Im Folgenden werden die Ergebnisse unter verschiedenen Gesichtspunkten eingeordnet. Wo genau die Schwelle für beispielsweise ein gutes Grundangebot liegt, bleibt letztlich eine politische Entscheidung. Der ÖV-Atlas liefert dafür die Datengrundlage.

Je größer der Ort, desto besser das Angebot

Wie gut Menschen an den öffentlichen Verkehr angebunden sind, hängt vor allem davon ab, wie viele Menschen in ihrem Umfeld wohnen. In den Städten mit mehr als 100.000 Einwohner:innen erreichen 77 Prozent der Bevölkerung die beiden besten Klassen A und B. In Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohner:innen ist es 1 Prozent. Umgekehrt lebt dort mehr als jede vierte Person ohne ein Angebot, das sich einer Güteklasse zuordnen ließe, während das in den Großstädten auf praktisch niemanden zutrifft.

Bundesweit fällt die Bilanz besser aus, als die vielen heller gefärbten Gemeinden und Kreise mit ÖV-Güteklasse D bis F auf der Deutschlandkarte vermuten lassen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt die durchschnittliche ÖV-Güte in Deutschland im Bereich der Klasse C (3,3). Auf die Klassen A und B entfallen 36 Prozent der Bevölkerung oder 30 Millionen Menschen (siehe Abbildung). Klasse B erreicht zum Beispiel, wer höchstens 200 Meter von einer Straßenbahnhaltestelle mit einer Linie im 10-Minuten-Takt entfernt wohnt. 

Abb. 3: Verteilung der Bevölkerung nach ÖV-Güteklassen

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Der Grund für die unterschiedliche Verteilung der ÖV-Güteklassen nach Raum und Bevölkerung liegt in der Siedlungsstruktur. Drei von vier Gemeinden zählen weniger als 5.000 Einwohner:innen – doch nur etwa jede siebte Person lebt in einer solchen Gemeinde. Die schwach versorgten Orte prägen das Kartenbild, weil sie den größten Teil der Fläche einnehmen. Die Mehrheit der Bevölkerung wohnt aber in den Zentren, und dort ist das Angebot dichter (siehe Tabelle).

Abb. 4: Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots im Verhältnis zur Gemeindegröße

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Hinter dem Prinzip „Je größer der Ort, desto besser das Angebot“ steht eine ökonomische Logik: Ein dichter Takt kostet pro Fahrplankilometer fast überall ähnlich viel, er lässt sich aber nur dort halbwegs finanzieren, wo im Umfeld der Haltestellen genügend Menschen wohnen. Die Schweiz sichert über die Angebotsverordnung des Bundes auch kleinen Ortschaften ein Mindestangebot, und im österreichischen Vorarlberg fahren Busse im Takt durch Gemeinden, die in Deutschland ohne Güteklasse blieben. Die Ortsgröße prägt die Angebotsqualität auch dort. Sie wirkt aber oberhalb einer politisch forcierten Untergrenze, die es in Deutschland so nicht gibt.

21 Millionen Menschen ohne gutes Grundangebot

21 Millionen Menschen, also gut ein Viertel der Bevölkerung, leben an Orten, an denen Bus und Bahn kein gutes Grundangebot bereitstellen (siehe Karte). Ihr Wohnort erreicht nicht die ÖV-Güteklasse D, die als gutes Grundangebot außerhalb der Großstädte gelten kann. Güteklasse D entspricht einer etwa 250 Meter entfernten Haltestelle, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus abfährt. In der Schweiz ist Klasse D bereits die niedrigste Klasse auf der Skala. Ein geringeres Angebot wird nicht mehr als qualitatives Angebot eingeordnet. 

Abb. 5: Anzahl der Menschen ohne gutes Grundangebot

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

In Bayern leben fünf Millionen Menschen unterhalb der Klasse D. Betroffen sind vor allem die Landkreise rund um die kreisfreien Großstädte. Es folgen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit je drei Millionen Einwohner:innen unter Klasse D, viele davon im Münsterland und im westlichen Niedersachsen. Dort handelt es sich um bevölkerungsreiche Kreise, jedoch mit weit gestreuter Siedlungsstruktur. Zwischen den Ländern unterscheidet sich die Zusammensetzung: In Bayern lebt der überwiegende Teil der Betroffenen in kleinstädtischen und dörflichen Gemeinden, in Nordrhein-Westfalen dagegen in Mittelstädten.

Bundesweit leben 9 der 21 Millionen Menschen unterhalb von Klasse D in Mittelstädten. Dabei bringen Mittelstädte oft günstige Voraussetzungen für ein gutes Grundangebot mit Bus und Regionalbahn mit: Ihre Einwohnerdichte und die Bündelung von Wegen entlang weniger Achsen eignen sich gut für einen attraktiven Taktbus oder eine Regionalbahn. Das zeigt etwa Crailsheim im Landkreis Schwäbisch Hall oder das schleswig-holsteinische Rendsburg, wo über 97 Prozent der Bevölkerung Klasse D erreichen.

Rund sechs Millionen Menschen ohne gutes Grundangebot sind, geschätzt auf Basis von Altersdaten der regionalstatistischen Datenbank INKAR, jünger als 18 oder älter als 75 Jahre – also entweder zu jung zum Autofahren oder in einem Alter, in dem viele von ihnen nur selten oder gar nicht mehr selbst mit dem Auto fahren. In schlecht angebundenen Orten bringt die Nutzung des öffentlichen Verkehrs lange Fahrt- und Wartezeiten mit sich. Die Mobilität dieser Altersgruppen hängt daher oft von anderen ab: von Eltern, die ihre Kinder zum Sportverein fahren, von erwachsenen Kindern, die ihre Eltern zur ärztlichen Behandlung bringen, von Nachbar:innen und Bekannten. Das kostet die Fahrer:innen Zeit und benachteiligt jene, denen keine Hilfe zur Verfügung steht. Wer auf das Auto angewiesen ist und über wenig Geld verfügt, kann zudem bei steigenden Kraftstoffpreisen meist nicht auf ein Elektroauto ausweichen: Einkommensschwache Haushalte müssen dann an anderer Stelle sparen, um ihre Mobilität zu erhalten. Weitere Informationen dazu finden sich im Diskussionspapier Mobilitätsarmut in Deutschland von Agora Verkehrswende (2023).

Sechs von zehn Gemeinden verfehlen das empfohlene Mindestangebot

Ein bundesweit verbindlicher Zielwert für ein Mindestangebot mit Bus und Bahn, um die Teilhabe aller Menschen sicherzustellen, existiert bislang nicht. Einen ersten Anhaltspunkt liefert der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesminister für Verkehr in seinem Gutachten Mobilitätswende in Stadt und Land:

„Ein aus Sicht des Beirates angemessener Standard wäre, wenn von allen Wohnorten (mit Ausnahme von Splittersiedlungen […]) mindestens alle 60 Minuten, besser alle 30 Minuten, ein Verkehrsangebot zum Kern des nächsten Grund- und Mittelzentrums sowie zum nächsten Zugangspunkt des Schienenverkehrs unterbreitet würde. In dünn besiedelten Regionen wird dies überwiegend über flexible […] Angebotsformen erfolgen müssen.” 
Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr, 2023

Der Beirat benennt also einen Takt, jedoch keine Güteklasse. Ein Gutachten des Beratungsunternehmens KCW und der RWTH Aachen im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums überträgt die Empfehlung in ein messbares Kriterium: Ein Stundentakt bei höchstens 300 Metern Fußweg entspricht der untersten Qualitätsstufe F, der Anspruch auf Versorgung aller Wohnorte mit Ausnahme von Splittersiedlungen entspricht einem Erfüllungsgrad von 95 Prozent. Für den ÖV-Atlas heißt das: Die Empfehlung des Beirats gilt in einer Gemeinde als erreicht, wenn dort mindestens 95 Prozent der Menschen ein Angebot der ÖV-Güteklasse F oder besser vorfinden. Dies lässt sich allerdings nicht eins zu eins in das Kriterium des ÖV-Atlas übertragen: Das Gutachten misst den Takt zur schwächsten Stunde, der ÖV-Atlas im Mittel des Tages, und es legt einen engeren Einzugsradius zugrunde. Der tatsächliche Abstand zum angestrebten Mindestangebot dürfte daher eher größer sein als in den hier vorliegenden Ergebnissen (siehe Karte).

Abb. 6: Einhaltung des empfohlenen Mindestangebots

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Die Karte zeigt: 4.437 Gemeinden (41 Prozent) erreichen die Empfehlung des Beirats, 6.353 verfehlen sie. Bundesweit finden 5,6 Millionen Menschen an ihrem Wohnort keine Haltestelle, die auch nur die niedrigste Bedienschwelle F erfüllt. Gemeinden, die mindestens Klasse F erreichen, häufen sich in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Großflächig verfehlt wird die Empfehlung in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie in Bayern außerhalb der Ballungsräume. 

Ein Zusammenhang mit der Siedlungsdichte zeigt sich allerdings nur zum Teil: Dünn besiedelte Landkreise in Rheinland-Pfalz erreichen die Empfehlung, ähnlich strukturierte Räume in Bayern nicht. Die Angebotsqualität erklärt sich also nicht bloß aus der Raumstruktur, sondern auch aus den Angebotskonzepten der Aufgabenträger. 

Auch flexible Bedienformen ohne feste Linienführung gehören teilweise bereits zum Angebot und werden vom Beirat ausdrücklich als Weg zur Erschließung dünn besiedelter Räume benannt. Im ÖV-Atlas sind sie jedoch noch nicht berücksichtigt, weil es dazu keine guten Daten gibt (siehe unten Kapitel „Lückenhafte Datenlage zu flexiblen Bedienformen“).

Der öffentliche Nahverkehr ist gesetzlich eine Aufgabe der Daseinsvorsorge – das hält das Regionalisierungsgesetz in seinem ersten Paragrafen fest. In der Praxis fällt dieses Mindestangebot jedoch höchst ungleich aus: Einige Bundesländer binden auch kleine Orte verlässlich an, in anderen bleiben viele kleine Orte unterhalb der untersten Güteklasse. Weiterführende Informationen dazu finden sich in der Analyse Mobilitätsgarantie für Deutschland von Agora Verkehrswende (Teil I und Teil II, beide 2023).

Die besten Kreise und Städte ihrer Klasse

Im Folgenden werden Städte und Kreise eines ähnlichen Raumtyps anhand ihrer durchschnittlichen ÖV-Güte miteinander verglichen: zunächst in zwei Listen auf Gemeindeebene für Groß- und Mittelstädte, dann in zwei Listen auf Kreisebene nach den siedlungsstrukturellen Kreistypen (nach Definition des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, BBSR). Die Listen verfügen jeweils über ein Suchfeld und lassen sich seitenweise durchblättern.

Alle 78 deutschen Großstädte erreichen im Mittel mindestens die Güteklasse C. Frankfurt am Main hat mit einer durchschnittlichen ÖV-Güte von 1,3 (A) das beste Angebot (siehe Tabelle). Knapp dahinter folgen Stuttgart, München, Hannover, Karlsruhe, Düsseldorf und Darmstadt mit jeweils 1,4 (A). In Frankfurt leben 95 Prozent der Menschen an einem Wohnort der Klasse A oder B. Das ist der höchste Wert aller Großstädte.

Abb. 7: 78 Großstädte sortiert nach durchschnittlicher ÖV-Güte

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

In vier von fünf Großstädten erreicht das Angebot für mindestens die Hälfte der jeweiligen Bevölkerung die Güteklasse A oder B. Zwar steigt die Angebotsqualität im Mittel mit der Einwohnerzahl, doch die größten Städte haben nicht immer das beste Angebot: Hamburg (B: 1,8) und Köln (B: 1,6) liegen etwa hinter Darmstadt (A: 1,4), das mit 161.000 Einwohner:innen zu den kleineren Großstädten zählt. Entscheidend für die Angebotsqualität ist die Kombination aus kompakter Siedlungsstruktur und einem dichten, überwiegend schienengebundenen Netz.

17 Großstädte erreichen lediglich eine durchschnittliche Güte von C. Die größte von ihnen ist Lübeck (2,7). Den niedrigsten Wert aller Großstädte weist Hamm auf (3,5). In Siegen, Recklinghausen, Moers, Wolfsburg und Hamm verfügt nicht einmal jede dritte Person an ihrem Wohnort über ein gutes (B) oder sehr gutes (A) Angebot. Diese Städte weisen drei Gemeinsamkeiten auf: eine große Fläche, eine polyzentrische Struktur aus mehreren zusammengewachsenen Ortsteilen und das Fehlen eines eigenen städtischen Schienenverkehrsmittels.

Die 617 Mittelstädte sind Städte und Gemeinden mit 20.000 bis 100.000 Einwohner:innen. Das beste Angebot haben Laatzen und Rheinstetten mit der Güteklasse B (je 1,6) sowie Ostfildern, Stutensee und Unterhaching. Sie alle sind per S- oder Stadtbahn an ein Oberzentrum angebunden. Über 60 Mittelstädte erreichen im Durchschnitt Klasse B. Schlecht angebundene Mittelstädte wie das münsterländische Vreden erreichen hingegen nur die unterste Güteklasse F (siehe Tabelle).

Abb. 8: 617 Mittelstädte sortiert nach durchschnittlicher ÖV-Güte

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Städtische Kreise sind dicht besiedelte Kreise, in denen die Mehrheit der Menschen in Mittelstädten lebt. Hier profitieren vor allem die Verdichtungsränder der Metropolen: So hat im Landkreis München und in der Region Hannover eine Bevölkerungsmehrheit ein öffentliches Verkehrsangebot der Klasse A oder B (siehe Tabelle).

Abb. 9: 120 städtische Landkreise sortiert nach durchschnittlicher ÖV-Güte

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

In der vierten Gruppe sind alle ländlich geprägten Kreise zusammengefasst – von solchen mit einzelnen größeren Städten und mittlerer Dichte bis zu den dünn besiedelten ohne größeres Zentrum. Kein einziger dieser Kreise kommt im Durchschnitt über die Güteklasse C hinaus (siehe Tabelle). Das beste Angebot haben Bad Kreuznach, Schwäbisch Hall und das Havelland: Die drei sind überwiegend ländlich geprägt, organisieren aber ein großflächiges gutes Grundangebot und zeigen, dass sich auch abseits der Ballungszentren ein tragfähiges Angebot aufbauen lässt. Havelland und Oberhavel profitieren von den Regionalbahnachsen nach Berlin, aus Rheinland-Pfalz folgt mit Birkenfeld ein Kreis mit traditionell dichter Grundversorgung.

Abb. 10: 171 ländliche Landkreise sortiert nach durchschnittlicher ÖV-Güte

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Bundesländer prägen den Unterschied zwischen Stadt und Land

Im Ländervergleich schneiden die Stadtstaaten am besten ab, gefolgt von den urban geprägten Flächenländern Nordrhein-Westfalen (C: 3,0), Hessen (C: 3,1) und Baden-Württemberg (C: 3,2). Das geringste Angebot haben im Landesdurchschnitt die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern (D: 4,0) und Niedersachsen (D: 4,1), (siehe Grafik).

Abb. 11: Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots nach Bundesländern

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Diese Reihenfolge spiegelt erneut die Siedlungsstruktur: Wo viele Menschen in Städten leben, lässt sich ein gutes Angebot leichter organisieren. Die Länder verfolgen jedoch auch das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse und wollen den Abstand zwischen Stadt und Land begrenzen. Die folgende Tabelle stellt dafür die bevölkerungsgewichtete Güte in städtischen Gemeinden (ab 20.000 Einwohner:innen) jener in ländlichen Gemeinden (unter 5.000 Einwohner:innen) gegenüber.

Abb. 12: Abstand zwischen Stadt und Land in der Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots nach Bundesländern

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Am weitesten liegen Stadt und Land in Bayern und in den ostdeutschen Flächenländern auseinander. In Bayern beträgt die Differenz zwischen städtischer und ländlicher Güte 3,3 Klassen – der größte Abstand bundesweit. Sachsen verbindet die bundesweit besten Stadtwerte (B: 2,1; getragen von Leipzig und Dresden) mit einem deutlich schwächeren Umland und kommt so auf fast drei Klassen Abstand. Starke Zentren und dünn erschlossene Flächen stehen sich gegenüber – ein Muster, das sich auch in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zeigt.

Wo Stadt und Land näher beieinanderliegen, hat das sehr unterschiedliche Gründe. Rheinland-Pfalz erreicht mit 1,8 Klassen den geringsten Abstand, weil sein ländlicher Raum bundesweit am besten abschneidet (D: 4,3; nur fünf Prozent ohne Güteklasse). Das Land war in Deutschland Pionier des integralen Taktfahrplans und übertrug ihn bereits in den 1990er-Jahren vom Schienenpersonennahverkehr auf Regionalbuslinien. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gelingt der Ausgleich ähnlich gut, bei zugleich hohem Gesamtniveau. Das Saarland bleibt außen vor: Nach der Gebietsreform der 1970er-Jahre gibt es dort keine Gemeinde unter 5.000 Einwohner:innen mehr.

Viele Fahrgäste, wo Bus und Bahn häufig fahren

Ein gutes Angebot ist Voraussetzung dafür, dass Menschen Bus und Bahn nutzen. Gemessene Fahrgastzahlen liegen meist nur aus den großen Städten vor. Für die folgende Darstellung dient deshalb die Studie Mobilität in Deutschland (MiD) 2023 als Grundlage. Sie schätzt den Anteil des öffentlichen Verkehrs modellgestützt (Small-Area-Schätzung) für alle Kreise. Die MiD 2023 verbindet dafür umfangreiche Befragungsergebnisse mit Strukturdaten der Kreise und erzeugt daraus flächendeckende Schätzwerte. Bundesweit entfallen demnach 19 Prozent der zurückgelegten Kilometer auf Bus und Bahn. Die Karte zeigt, wie unterschiedlich der Anteil je nach Ort ausfällt: In Berlin werden 42 Prozent der Gesamtstrecke mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt, in Hamburg, München und Frankfurt am Main deutlich über ein Drittel der Gesamtstrecke, in ländlichen Kreisen meist 12 bis 15 Prozent.

Abb. 13: Anteil der mit Bus und Bahn zurückgelegten Wegstrecken

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Wo das Angebot gut ist, nutzen in der Regel mehr Menschen Bus und Bahn. Das Streudiagramm zeigt diesen Zusammenhang für die Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands: Es verbindet die Angebotsqualität aus dem ÖV-Atlas 2026 mit der Nachfrage aus der MiD 2023. Beide Werte sind Näherungen.

Abb. 14: Nachfrage nach Bus und Bahn im Verhältnis zur Qualität des Angebots

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Der Zusammenhang ist deutlich ausgeprägt: Die gezeichnete Exponentialfunktion zeigt, dass 72 Prozent der Unterschiede zwischen den Kreisen erklärt werden (R² = 0,72). Bei einem insgesamt schwachen öffentlichen Verkehrsangebot (untere Diagrammhälfte) geht ein besseres Angebot mit einem relativ großen Nachfrageanstieg einher. Die Richtung des Zusammenhangs lässt sich daraus nicht ablesen: Ein gutes Angebot zieht Fahrgäste an, umgekehrt wird es dort bestellt, wo Nachfrage besteht. Aufschlussreicher als die Kurve sind die Kreise, die deutlich von ihr abweichen.

Gutes Angebot, aber geringe Nachfrage (oberhalb der Kurve): In Städten wie Wiesbaden, Wolfsburg und Osnabrück bleibt die Nachfrage hinter dem zurück, was das Angebot erwarten ließe. Dahinter steht womöglich eine ausgeprägte Pkw-Nutzung, etwa forciert durch reichlich vorhandenen und günstigen Parkraum. Für diese Kreise hieße das: Die Nachfrage lässt sich steigern, ohne das Bus- und Bahnangebot stark auszubauen. Ein aktives Parkraummanagement oder ein Busbeschleunigungsprogramm könnten vergleichsweise günstig die Nutzung des öffentlichen Verkehrs erhöhen.

Schwächeres Angebot, dennoch starke Nachfrage (unterhalb der Kurve): In Kreisen wie Dahme-Spreewald und Stade nutzen mehr Menschen den öffentlichen Verkehr, als das Angebot vermuten ließe. Es sind Umlandkreise großer, gut versorgter Metropolen, in denen viele Menschen mit S- und Regionalbahn in die Kernstadt pendeln. Diese Nachfrage ist auch Erfolg einer ÖPNV-orientierten Raumentwicklung (beispielsweise der Siedlungsstern in der Region Berlin-Brandenburg) und ein Hinweis darauf, dass sich der Ausbau auf stark nachgefragten Korridoren über Kreisgrenzen hinweg lohnt.

Die Daten zeigen, dass ein gutes Angebot eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für eine hohe Nachfrage ist. Gut ein Viertel der Unterschiede zwischen den Kreisen lässt sich damit nicht erklären. In diesem Spielraum entscheiden Tarife, Netzplanung, Parkraum oder Gewohnheiten darüber, wie viele Menschen mit Bus und Bahn fahren. Angebot und Anreize wirken zusammen: Erst gemeinsam verlagern sie genug Verkehr, um zum Klimaschutz beizutragen.

Lückenhafte Datenlage zu flexiblen Bedienformen

Flexible Bedarfsverkehre ergänzen den Linienverkehr dort, wo sich Nachfrage schlecht bündeln lässt. Seit die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes 2021 neue Verkehrsformen wie den Linienbedarfsverkehr eingeführt hat, sind mehr als 120 Projekte mit über 1.000 Fahrzeugen entstanden, rund 80 Prozent davon außerhalb der großen Städte.

On-Demand-Verkehre und ähnliche Angebote ohne festen Linienweg wurden jedoch bei den Berechnungen zum ÖV-Atlas noch nicht berücksichtigt. Die Güteklassen bewerten den angebotenen Takt und die Entfernung zu einer Haltestelle. Beides fehlt bei Angeboten, die ihr Bediengebiet flächenhaft und ohne Fahrplan erschließen. Nur Bedarfsverkehre, die in den Fahrplandaten von DELFI als Linie hinterlegt sind (etwa das Anruf-Linien-Taxi), fließen in die Berechnung ein. Ein bundesweiter Datenbestand fehlt jedoch bisher. Häufig sind ein bis drei Fahrzeuge in einer Gemeinde im Einsatz. Einige Angebote sind aber auch deutlich größer, wie in der Region Hannover (Sprinti), Hamburg (Moia) oder im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hopper). Auch andere flexible Bedienformen wie das ÖPNV-Taxi stärken den Nahverkehr.

Wie viel diese Angebote derzeit deutschlandweit zur Beförderungsleistung beitragen, wird nicht erfasst. Die Studie MiD 2023 weist für die Verkehrsmittelgruppe „Anrufsammeltaxi, Rufbus, Ridesharing und Ähnliches“ einen Anteil von weniger als 0,5 Prozent aus, sowohl an den Wegen als auch an den zurückgelegten Kilometern.

Wie eine methodische Integration künftig aussehen könnte, zeigt das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) mit seiner ÖPNV-Erreichbarkeitsanalyse für das Land Nordrhein-Westfalen. On-Demand-Verkehre werden hier über Ruf- und Wartezeiten in eigene Haltestellenkategorien übersetzt. Die üblichen Wartezeiten von 30 bis 60 Minuten entsprechen in dieser Studie den untersten Kategorien E oder F des ÖV-Atlas.

Die Datenlage verbessert sich: Seit 2024 gehört GTFS-Flex zum internationalen Fahrplandatenstandard. Die Schweiz veröffentlicht ihre Bedarfsverkehre bereits nach diesem Standard. Sobald in Deutschland ein ähnlich guter Datenbestand zugänglich ist, lassen sich On-Demand-Verkehre in die Güteklassen einbeziehen.

Flächendeckend gutes Angebot ermöglicht umfangreiche Verkehrsverlagerung

Wie ein deutlich besseres Angebot aussehen kann, zeigt das Szenario Deutschlandangebot 2040 aus dem Leistungskostengutachten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Es sieht bundesweite Mindestbedienstandards auf dem Land vor, die sich an der Taktdichte in der Schweiz orientieren, ebenso wie die Umsetzung des Deutschlandtakts im Schienenpersonennahverkehr und ein besseres Bus- und Straßenbahnangebot in den Städten. Die Betriebsleistung wächst dafür um 90 Prozent, die öffentlichen Mittel für den Nahverkehr jährlich um durchschnittlich 3,4 Milliarden Euro.

Abb. 15: Qualität des öffentlichen Verkehrsangebots nach Kreisen in einem Zielszenario für 2040

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Im Ergebnis verbessert sich die bevölkerungsgewichtete Durchschnittsnote von 3,6 im Jahr 2024 auf 2,5 im Jahr 2040. Für rund 84 Prozent der Bevölkerung steigt die Erschließungsqualität um mindestens eine Güteklasse. Das Szenario verfolgt damit zwei Ziele zugleich: eine Mobilitätsgarantie auf dem Land als Grundlage sozialer Teilhabe und bundesweit die Kapazität für annähernd doppelt so viele Fahrgäste, also einen erheblichen Beitrag zu Verkehrswende und Klimaschutz.

Berechnet hat die Werte das Beratungsunternehmen Ramboll im Auftrag des VDV. Methodisch stützen sie sich auf dieselbe in der Schweiz entwickelte Grundlage wie der ÖV-Atlas, weichen in der Anwendung aber ab, etwa beim gewählten Bezugstag und bei der Zuordnung von Haltestellen mit mehreren Verkehrsmitteln. Die Systematik des ÖV-Atlas bewertet Kreise tendenziell etwas besser, mit Abweichungen in beide Richtungen. Für den heutigen Zustand ergibt der ÖV-Atlas im Mittel eine 3,3, das Gutachten für 2024 eine 3,6. Die Werte beider Karten lassen sich deshalb nicht exakt vergleichen.

Ergebnisse und Empfehlungen

Bund und Länder sollten ein Mindestangebot garantieren, das Teilhabe im ganzen Land sichert. Wer kein Auto nutzen kann, ist ohne Bus und Bahn im Alltag empfindlich eingeschränkt – am stärksten in ländlichen Räumen. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesminister für Verkehr beschreibt ein solches Mindestangebot als mindestens stündliche, besser halbstündliche Verbindung zum nächsten Grundzentrum. Welches Angebot ausreicht und wer es flächendeckend gewährleistet, entscheidet die Politik.

Für die Mobilitätswende braucht es darüber hinaus ein besonders attraktives Angebot dort, wo es heute am meisten Autoverkehr gibt. Für den Klimaschutz zählt, wie viele Autokilometer vermieden werden. Eine Verdopplung der Fahrgastzahlen gelingt nur mit einem guten bis sehr guten Angebot auf den pendelintensiven Achsen zwischen Groß- und Mittelstädten mit ihrem Umland, im urbanen und suburbanen Raum. Wie das Angebot konkret ausgebaut wird, kann je nach Bundesland anders aussehen. Bund und Länder sollten den Weg dahin jedoch als gemeinsamen Prozess verstehen. Dabei unterstützt der Bund die Aufgabenträger mit zusätzlichen Mitteln und übernimmt eine koordinierende Rolle. 

Ohne zusätzliche Finanzierungsinstrumente wird der Ausbau nicht gelingen. Steigende Betriebskosten, knappe Haushalte und fehlendes Fahrpersonal zwingen Aufgabenträger derzeit dazu, Fahrten zu streichen. Für die Verdopplung der Fahrgastzahlen müssten die öffentlichen Mittel deutlich wachsen. Mögliche zusätzliche Finanzierungsquellen sind eine fahrleistungsabhängige Pkw-Maut oder Beiträge der Nutznießenden, etwa von Unternehmen, die von einer guten Anbindung profitieren. Frankreich erhebt eine solche Arbeitgeberabgabe (versement mobilité) seit 1971.

Die ÖV-Güteklassen eignen sich als vergleichbarer Ausdruck für Ausbauziele und ermöglichen ein bundesweites Monitoring, das deren Erreichen überprüfbar macht. Die Güteklassen fassen Verkehrsmittel, Takt und Fußweg in einem Wert zusammen und schaffen so einen gemeinsamen Maßstab, mithilfe dessen sich Zielwerte verhandeln und Fortschritte messen lassen. Damit ein jährlich fortgeschriebenes Monitoring gelingt, gilt es künftig, in der Branche möglichst einheitliche und maschinenlesbare Daten zum bestehenden Angebot bereitzustellen. Je nach Anwendungsfall kann die Methodik weiter ergänzt werden, wie das Gutachten von KCW und der RWTH Aachen zeigt. 

Flexible Bedienformen gehören künftig in die Bewertung des Angebots. On-Demand-Verkehre ohne feste Linie stehen bislang nicht vollständig in den Fahrplandaten. Der ÖV-Atlas unterschätzt das Angebot deshalb dort, wo solche Dienste die Erschließung tragen, und das betrifft gerade die dünn besiedelten Räume. Branche und Aufgabenträger können diese Lücke schließen, indem sie Angebote ohne feste Linienführung etwa im Standard GTFS-Flex veröffentlichen.

Methodik und Quellen

Der ÖV-Atlas bewertet, wie gut Menschen an ihrem Wohnort mit öffentlichem Verkehr versorgt sind. Jeder Wohnstandort erhält eine ÖV-Güteklasse von A bis F. Sie fasst zwei Fragen zusammen: 1. Wie nah ist die nächste Haltestelle? 2. Wie gut ist das Angebot dort, gemessen an der Taktdichte und der Art des Verkehrsmittels? Dabei wird die Eisenbahn höher gewichtet als die Straßenbahn und diese wiederum höher als der Bus. Güteklasse A steht für ein dichtes Schienenangebot direkt vor der Haustür, Güteklasse F für eine gerade noch nutzbare Anbindung. Wer in einer angemessenen Luftliniendistanz kein Linienangebot mit mindestens zweistündigem Takt erreicht, wird keiner Klasse zugeordnet. Die Güteklassen geben Auskunft über die Erschließungs- und Angebotsqualität nach Fahrplan – nicht über die tatsächliche Auslastung, die Pünktlichkeit oder die Reisezeit zum Ziel.

Für jede Gemeinde und jeden Kreis zeigt der ÖV-Atlas, wie sich die Wohnbevölkerung auf die Güteklassen verteilt. Grundlage ist eine bevölkerungsgewichtete Auswertung auf dem 100-Meter-Bevölkerungsraster des Zensus 2022.

Die durchschnittliche ÖV-Güte eignet sich für den Vergleich, ersetzt aber nicht den Blick auf die Verteilung der Bevölkerung über die Klassen. Wohnorte ohne Güteklasse gehen mit dem Wert 7 in den Mittelwert ein.

Datengrundlage sind die bundesweiten Soll-Fahrplandaten der Durchgängigen Elektronischen Fahrplaninformation (DELFI), mit Fahrplanstand vom 31. Januar 2026, im offenen Format der General Transit Feed Specification (GTFS). Ergänzt werden das 100-Meter-Bevölkerungsraster des Zensus 2022 sowie die amtlichen Verwaltungsgrenzen des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie. Die Berechnung führte die auf Erreichbarkeitsanalysen spezialisierte Plan4Better GmbH im Auftrag von Agora Verkehrswende mit der Open-Source-Plattform GOAT durch.

Die Güteklassen folgen der ARE-Methode des Schweizer Bundesamts für Raumentwicklung, die in der VSS-Norm SN 640 290 verankert ist. Je Haltestelle wird für einen typischen Werktag von 6 bis 20 Uhr der mittlere Takt bestimmt und mit dem höchstwertigen Verkehrsmittel zu einer Haltestellenkategorie von I bis VII verknüpft (siehe Tabelle).

Abb. 16: Ermittlung der Haltestellenkategorie

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Aus Haltestellenkategorie und Entfernung zur Haltestelle ergibt sich die Güteklasse A bis F (siehe Tabelle). Überlagern sich die Einzugsbereiche mehrerer Haltestellen, gilt die höherwertige Klasse.

Abb. 17: Bestimmung der Einzugsradien und der ÖV-Güteklassen

Wir benötigen Ihre Zustimmung.

Mit dem Laden dieser Grafik stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten und dem Setzen von Cookies durch den externen Dienstleister Mapbox zu. Details finden Sie in unserer ​Datenschutzerklärung.

Für den deutschen Kontext zählt ein Takt bis 120 Minuten noch als Güte F; die Schweiz setzt diese Grenze bei 60 Minuten, Österreich bei 210 Minuten. Statt eines einzelnen Stichtags wertet die Analyse das über 16 Wochen häufigste Tagesangebot je Linie aus. So verzerren einzelne Sonderfahrten oder ein reduziertes Ferienangebot das Ergebnis nicht.

Weil der Soll-Fahrplan zugrunde liegt, bleiben Ausfälle, Verspätungen und kurzfristige Änderungen unberücksichtigt. Flächenhafte Bedarfsverkehre ohne feste Linien und Haltestellen lassen sich nach dieser Methode nicht bewerten und fehlen daher (siehe oben Kapitel „Lückenhafte Datenlage zu flexiblen Bedienformen“). Der Wechsel von der Einheit Fahrtendichte früherer Ausgaben des ÖV-Atlas hin zu den Güteklassen macht die Bewertung methodisch belastbarer, schließt einen direkten Vergleich mit den Vorjahren aber aus. Wegen unvollständiger oder fehlerhafter Quelldaten bleiben vier Gebiete außen vor: die Landkreise Lüneburg, Dillingen a. d. Donau und Nordhausen sowie die Gemeinde Gardelegen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Qualität der bereitgestellten Fahrplandaten seit der ersten Ausgabe vor fünf Jahren verbessert hat.

Hinweis zur Verwendung von künstlicher Intelligenz: Bei der Erstellung des ÖV-Atlas wurde Claude Sonnet und Claude Opus von Anthropic, zugänglich über Claude.ai, unterstützend eingesetzt. Der Einsatz umfasste das Schreiben und Überarbeiten von Textabschnitten und die Bearbeitung von tabellarischen Daten. Alle KI-generierten Inhalte wurden vom Autorenteam von Agora Verkehrswende geprüft und überarbeitet. Die Verantwortung für die Inhalte liegt bei Agora Verkehrswende.

Weiterführende Publikationen von Agora Verkehrswende

Daten-Download

Die Ergebnisse stehen als Tabelle im Excel-Format und als GIS-Datei im Format GeoPackage zur freien Nachnutzung bereit (Lizenz: CC-BY 4.0), unter Nennung der Quelle Agora Verkehrswende und Plan4Better. Der Aufbau ist in den Dateien selbst dokumentiert.

Projektleitung