E-Auto-Prämie: Ein wichtiger Schritt – weitere sollten folgen
Die kürzlich beschlossene E-Auto-Prämie ist ein wichtiger Impuls. Dass allerdings Plug-in-Hybride gefördert werden, ist weder klima- noch industriepolitisch sinnvoll. Die Bundesregierung sollte eindeutige Signale senden – und eine Gesamtstrategie verfolgen, die über die Anschaffungsförderung hinausgeht.
Einleitung
Die kürzlich vorgestellte E-Auto-Förderung für Privathaushalte ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Entwicklung im Bereich der Elektromobilität war zwar bereits im Jahr 2025 erfreulich, maßgeblich vorangetrieben durch die europäischen CO₂-Flottengrenzwerte. Aber diese Entwicklung geht nicht schnell genug, um die deutschen Klimaziele im Verkehrssektor bis 2045 zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie zu stärken.
Leider spricht die Bundesregierung jedoch insgesamt nicht mit einer Stimme, wenn es um Elektromobilität geht. So sendet zum Beispiel die Einbeziehung von Plug-in-Hybriden in die Förderung, also von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und zusätzlicher Antriebsbatterie, ein falsches Signal. Es ist weder klima- noch industriepolitisch sinnvoll, Plug-in-Hybride zu fördern. Das sorgt für mehr Emissionen und verlangsamt die Transformation der Automobilindustrie. Eine Industrie, die langfristig wettbewerbsfähig sein will, sollte sich auf vollelektrische Antriebe konzentrieren.
Förderung dort, wo Neuwagen realistisch gekauft werden
Besonders positiv ist bei dem neuen Förderprogramm zu bewerten, dass es sich an Privatkäufer:innen richtet, durch eine Einkommensobergrenze begrenzt ist und dass Haushalte mit niedrigerem Einkommen sowie Haushalte mit Kindern stärker profitieren. Durch die Einbeziehung von Leasing und die soziale Staffelung werden E-Pkw auch für Haushalte interessant, die sich ohne die Förderung keinen E-Pkw leisten können. Dadurch werden Mitnahmeeffekte reduziert und die Förderung kommt da an, wo sie benötigt wird. Die Einkommensobergrenze von 80.000 Euro zu versteuerndem Einkommen pro Haushalt mag hoch erscheinen, aber um die E-Mobilität in der Mitte der Gesellschaft zu verankern, muss dort gefördert werden, wo Neuwagen realistisch gekauft werden.
Die neue Förderrunde kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Markt für E-Pkw dynamisch entwickelt. So wurden im Jahr 2025 von privaten Haltern 195.000 vollelektrische Pkw zugelassen, was einem Zuwachs von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Preisunterschiede zu vergleichbaren Modellen mit Verbrennungsmotor sinken und die Auswahl an Modellen steigt, insbesondere in den günstigeren Segmenten.
Schrittweise Absenkung der Förderung könnte Impuls verstärken
Die Fördersumme von insgesamt drei Milliarden Euro, mit der bis Ende 2029 etwa 800.000 Pkw gefördert werden könnten, kann dem Markt den notwendigen Impuls verleihen, um noch bestehende Kostenunterschiede auszugleichen und mittelfristig eine gesunde Eigendynamik zu entwickeln. Das Förderdesign würde der Marktentwicklung noch besser gerecht werden, wenn die Förderung auf einem klar definierten Pfad über die Jahre hinweg abgesenkt würde. Das würde frühzeitige Investitionen belohnen.
Die Tatsache, dass die Förderung erst nach der Zulassung erfolgt, stellt insbesondere für Haushalte mit niedrigem Einkommen eine Hürde dar. Wenn die Antragstellung und Prüfung der Förderfähigkeit vor dem Kauf des Pkw stattfinden würden, wäre das zwar administrativ aufwendiger, aber wahrscheinlich würden dann mehr Haushalte mit niedrigem Einkommen das Förderangebot nutzen. Nach dem abrupten Wegfall des Umweltbonus Ende 2023 sind viele erst recht verunsichert, was staatliche Fördermaßnahmen angeht. Es bleibt abzuwarten, wie viele Menschen auf einen Kauf verzichten werden, weil sie in Vorleistung gehen müssen.
Gebrauchtwagenmarkt mitdenken
Derzeit ist nur eine Förderung von Neuwagen vorgesehen. Insbesondere Personen mit mittlerem oder niedrigem Einkommen können oder wollen sich jedoch häufig keine Neuwagen leisten. Das Interesse an E-Pkw ist auch bei Gebrauchtwagenkäufer:innen hoch. Die Bereitschaft, für die elektrische Alternative mehr auszugeben als für einen vergleichbaren Verbrenner, ist jedoch deutlich geringer als bei Neuwagenkäufer:innen.
Da der Gebrauchtwagenmarkt den jeweiligen Neuwagenmarkt zeitversetzt abbildet, sind Fördermaßnahmen zur Überbrückung sinnvoll. Zudem sollte das Vertrauen in die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der Batterie gestärkt werden, zum Beispiel mit einem standardisierten Verfahren zur Feststellung der Leistungsfähigkeit von Batterien, da diese heute je nach Prüforganisation und Dienstleister unterschiedlich sind.
Auf dem Weg zu einem eigenständig funktionierenden Markt braucht es viele Impulse. Mit der Anschaffungsförderung allein ist die Aufgabe noch nicht gelöst. Weitere Schritte müssen folgen. Potenzielle Autokäufer:innen brauchen vor allem mehr Gewissheit mit Blick auf die Ladeinfrastruktur, die Haltbarkeit und die Gesamtkosten von E-Pkw.
Preistransparenz beim Laden ist elementar
Beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur geht es bereits voran, es mangelt jedoch vor allem an Informationen und echter Preistransparenz. Eine bundesweite Markttransparenzstelle könnte den Wettbewerb fördern und somit langfristig auch die Ladepreise senken. Sie würde die Umsetzung bestehender Regelungen sicherstellen und es damit für Kund:innen einfacher macht, sich einen Überblick über die günstigsten Lademöglichkeiten zu verschaffen.
Bei der privaten Ladeinfrastruktur müssen vor allem bürokratische Hürden abgebaut werden. Die seit Jahresbeginn nicht mehr erforderliche Baugenehmigung für Ladepunkte ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es bestehen jedoch noch weitere Hürden, insbesondere im Steuer- und Energierecht sowie bei den Netzanschlüssen. Zudem sollte das geplante Förderprogramm für Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern schnell umgesetzt werden.
41 Prozent der Neuwagen werden gewerblich gekauft
Schließlich darf neben dem Privatmarkt der gewerbliche Markt nicht vergessen werden. Im Jahr 2025 wurden knapp 1,2 Millionen Pkw von gewerblichen Haltern zugelassen – Kfz-Handel und die Eigenzulassungen der Hersteller nicht eingerechnet. Das entspricht 41 Prozent aller Neuwagen. Die Elektrifizierung der Pkw-Flotte kann nur gelingen, wenn auch in diesem Bereich die richtigen Anreize gesetzt werden. Dafür bedarf es weiterführender Reformen der Dienstwagenbesteuerung und der Kfz-Steuer.
Die E-Auto-Förderung wird also auch daran zu messen sein, wie sehr die Bundesregierung sich dazu durchringen kann, sie in eine Gesamtstrategie zur Elektrifizierung des Straßenverkehrs einzubetten. Das würde industrie- und klimapolitisch den größten Mehrwert bringen.
Dieser Text erschien zuerst als Gastbeitrag für das Nachrichtenportal energiezukunft.
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