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Format
Pressemitteilung
Date
13. Oktober 2026

Gebrauchtwagen: Zugang zu E-Pkw für Privathaushalte erleichtern

Analyse von Agora Verkehrswende zeigt Herausforderungen und Handlungsoptionen auf / Wirksamkeit einer Kaufprämie für gebrauchte E-Pkw ist unsicher 

Berlin, 13. Oktober 2026. In der Diskussion über eine mögliche Kaufförderung für gebrauchte Elektroautos rät der Thinktank Agora Verkehrswende zur Vorsicht. Wie eine aktuelle Agora-Analyse zeigt, sind die Wirkungen subventionierter Preise auf den Gebrauchtwagenmarkt schwer steuerbar. Wahrscheinlich würde eine Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw wegen erhöhter Nachfrage und Mitnahmeeffekten zu steigenden Preisen führen. Besser geeignet als politisches Instrument wäre ein Ladeguthaben, das gezielt an Haushalte mit geringerem Einkommen und ohne private Lademöglichkeit ausgegeben wird.

„Eine Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw könnte den Markt ungünstig verzerren“, sagt Dr. Wiebke Zimmer, stellvertretende Geschäftsführerin von Agora Verkehrswende. „Das Angebot ist ohnehin knapp und die Nachfrage hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Die Preise für gebrauchte E-Pkw werden auf absehbare Zeit eher hoch sein. Umso wichtiger ist es, die Bezahlbarkeit gerade für Haushalte mit geringerem Einkommen zu verbessern. Mit einem Ladeguthaben könnte die Bundesregierung die richtigen Zielgruppen effizienter und genauer erreichen.“

In der Analyse zeigt Agora Verkehrswende, wie der Gebrauchtwagenmarkt für E-Pkw funktioniert, welche Faktoren das Kaufinteresse beeinflussen und welche Optionen der Politik zur Verfügung stehen. Der Preis für gebrauchte E-Pkw habe ambivalente Wirkungen: Niedrige Preise seien zwar attraktiv für Käuferinnen und Käufer, stünden aber gleichzeitig für einen stärkeren Wertverlust bei Neufahrzeugen. Instabile Restwerte für E-Pkw würden das Vertrauen im Markt schwächen und insbesondere bei Neuwagen zu Kaufzurückhaltung führen. Damit mehr gebrauchte E-Pkw auf den Markt kommen, müsse aber auch der Absatz an Neuwagen weiter zunehmen.

Hohes Interesse, aber auch hoher Informationsbedarf

Gebrauchtwagen werden, anders als Neuwagen, vor allem von Privatpersonen gekauft. Das Interesse übersteigt das Angebot bei Weitem. Im August 2026 lag der Marktanteil von E-Pkw am Gebrauchtwagenmarkt bei 5,3 Prozent (absolut: 26.769 Besitzumschreibungen); im Vorjahresmonat waren es 3,9 Prozent. Am größten ist der Zuspruch in den oberen Einkommensgruppen, aber auch in Haushalten mit einem monatlichen Netto-Einkommen unter 2.000 Euro können sich rund 37 Prozent der Kaufinteressierten vorstellen, einen vollelektrischen Gebrauchtwagen zu erwerben. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die bereits im August 2025 durchgeführt wurde, also vor der aktuellen Energiepreiskrise.

Marion Vieweg, Projektleiterin bei Agora Verkehrswende, betont mit Verweis auf weitere Ergebnisse der Umfrage, dass trotz des wachsenden Interesses noch viel getan werden kann, um Vorbehalte und Unsicherheiten gegenüber Elektromobilität abzubauen, auch in den aufgeschlossenen Käufergruppen: „Die Technologie entwickelt sich schnell. Verbreitete Zweifel an der Alltagstauglichkeit oder Wirtschaftlichkeit von Elektrofahrzeugen sind oft unbegründet. Daher ist es wichtig, Informations- und Testangebote zur Elektromobilität auszubauen.“

Um das Vertrauen in gebrauchte E-Pkw zu stärken, empfiehlt der Thinktank außerdem, die Entwicklung eines internationalen Standards zur Bewertung der Batteriequalität schnell voranzubringen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Prüfergebnisse anbieterunabhängig vergleichen können. Für Haushalte mit geringerem Einkommen sei es schließlich auch notwendig, den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern zu erleichtern.

Eine Belastung für den Markt sieht Agora Verkehrswende darin, dass eine beträchtliche Zahl an gebrauchten E-Pkw aus Deutschland exportiert wird. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es 33.700 Fahrzeuge, während lediglich 4.700 im gleichen Zeitraum importiert wurden. Die Exporte gehen vor allem nach Dänemark, die Niederlande, Finnland und Belgien, weil Verbrennerfahrzeuge dort mit hohen Steuern belegt sind.

Hinweise für Redaktionen

Die Analyse „Elektromobilität im Gebrauchtwagenmarkt. Was den Markt für gebrauchte Elektroautos ausmacht und wie die Politik den Zugang für Privathaushalte erleichtern kann“ von Agora Verkehrswende ist online verfügbar unter https://www.agora-verkehrswende.de/veroeffentlichungen/elektromobilitaet-im-gebrauchtwagenmarkt.

Die zitierte Umfrage wurde durch das Meinungsforschungsinstitut innofact im August 2025 im Auftrag von Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität durchgeführt. Vertiefend befragt wurden 3.000 Personen, die einen Führerschein besitzen, mindestens gelegentlich Auto fahren, am Kauf eines Pkw interessiert sind und Elektromobilität nicht grundsätzlich ablehnen. Die Gruppe ist repräsentativ für etwa 32 Millionen Menschen zwischen 18 und 76 Jahren in Deutschland. Die Ergebnisse sind online verfügbar unter: https://www.agora-verkehrswende.de/veroeffentlichungen/effektive-fahrzeugfoerderung-fuer-privatkunden.

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