Auf der Zielgeraden

Die deutschen Automobilhersteller im Kontext der europäischen CO2-Vorgaben für 2021

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Um die Klimaschutzziele auf europäischer und nationaler Ebene erreichen zu können, bedarf es ambitioniert ausgestalteter Vorgaben für die Kohlenstoffdioxid (CO2)-Emissionen der Neufahrzeugflotte. Für Pkw muss spätestens ab 2021 ein Zielwert von durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer (g/km) EU-weit eingehalten werden. Während der Zielwert des Jahres 2015 von allen größeren Fahrzeugherstellern bereits zwei Jahre im Voraus erreicht wurde, lag der europäische Flottendurchschnitt des Jahres 2018 mit 120 g/km noch deutlich über dem Zielwert für 2021. Der jeweils geltende Zielwert fällt dabei von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich aus, beruhend auf dem durchschnittlichen Gewicht der jeweiligen Fahrzeugflotte. In der Zeit zwischen 2019 und 2021 muss die jährliche Reduktionsrate bei durchschnittlich 8 Prozent liegen, um den Zielwert für 2021 erreichen zu können.

Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass die drei deutschen Pkw-Hersteller BMW, Daimler sowie Volkswagen Group ihren jeweiligen CO2-Zielwert für das Jahr 2021 unter plausiblen Rahmenbedingungen einhalten können. Anhand der bisherigen Produktstrategie sowie öffentlicher Ankündigungen der Hersteller wurden hierfür Szenarien für die weitere Produktstrategie bis 2021 abgeleitet.

Bei allen Herstellern besteht ein Potential zur weiteren Verbesserung des konventionellen Verbrennungsmotors, des Getriebes und des Fahrwiderstands. Zudem ist für alle Hersteller in den Jahren 2019-2021 mit einer höheren Anrechnung von Öko-Innovationen zu rechnen, als dies bislang der Fall war. Daimler und VW planen einen breiten Einsatz der 48-Volt-Hybrid-Technologie für die kommenden Jahre, während BMW hier einen Serieneinsatz erst für die Zeit nach 2020 sieht. Beim Absatz von Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEV) ist BMW bereits heute führend und plant für die kommenden Jahre zahlreiche neue Modelle. Sowohl BMW als auch Daimler kündigen an, im Jahr 2025 etwa 15-25 Prozent ihrer Neufahrzeuge weltweit als PHEV oder Batteriefahrzeuge (BEV) auszuliefern, bei VW sollen es 25 Prozent sein.

Zur Erreichung ihrer CO2-Zielwerte für 2021 innerhalb der EU sind für alle drei Hersteller bereits Marktanteile von etwa 8-15% Elektrofahrzeuge (PHEV plus BEV) ausreichend. Dennoch ist gegenüber heute für alle drei Hersteller eine deutliche Steigerung der Zulassungen von Elektrofahrzeugen notwendig. Während bei BMW in etwa eine Verdopplung des heutigen PHEV/BEV-Absatzes ausreichen würde, so bedarf es bei Daimler und VW eines etwa fünfmal so hohen Absatzes an E-Fahrzeugen. Dies erfordert deutliche Anstrengungen seitens der Hersteller und die richtigen Rahmenbedingungen.

Angesichts der zentralen Rolle der Elektrifizierung kommt dem Gesetzgeber eine wichtige Rolle zu, um die Investitionen der Hersteller in diese neuen Technologien abzusichern. Dies umfasst in Deutschland einerseits den raschen Aufbau einer entsprechenden Ladeinfrastruktur durch ein Sofortprogramm „Infrastruktur für die Elektromobilität“ mit finanziellen Anreizen und der Schaffung bzw. Anpassung einer Reihe gesetzlicher Rahmenbedingungen. Zum anderen ist auch eine umfassende Reform der Kfz-Steuer dringend erforderlich, um ein aufkommensneutrales Bonus-Malus-System einzuführen. Der Zweck dieser Reformen ist eine Lenkungswirkung durch ein Preissignal schon beim Kauf. Dadurch sollten niedrig- oder nullemittierende Fahrzeuge steuerlich entlastet werden bei gleichzeitig deutlich höherer Besteuerung im ersten Nutzungsjahr für Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen, um den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge nachhaltig zu stützen.

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Bibliografische Angaben

  • Autoren

    Peter Mock

  • Versionsnummer

    1.0

  • Veröffentlichungsdatum

    09/2019

  • Seitenzahl

    33

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