Verkehrswende-Radar: Trends zu weniger Pkw-Aufkommen und mehr ÖV-Nutzung halten an – aber ohne klare politische Handschrift
Pkw-Aufkommen auf Autobahnen bei 98 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau / Verkehrsleistung im Nahverkehr Schiene bei 116 Prozent, im Fernverkehr Schiene bei 110 Prozent / Radverkehr auf Tiefstand
Einleitung
Berlin, 5. Februar 2026. Bei zentralen Indikatoren für die Entwicklung des Verkehrs in Deutschland seit der Corona-Pandemie zeigen die Zahlen für das dritte Quartal 2025 nur leichte Veränderungen. Das Pkw-Aufkommen bewegt sich weiterhin knapp unter dem Stand von 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie. Im öffentlichen Verkehr hat das Fahrgastaufkommen ungefähr das Vor-Corona-Niveau erreicht, während die pro Person gefahrenen Kilometer zum Teil deutlich darüber liegen (S-Bahn und Regionalzüge: plus 16 Prozent, Fernverkehr Schiene: plus 10 Prozent). Im Radverkehr ist bei teilweise starken Schwankungen kein klarer Wachstumstrend zu erkennen. Auf Alltagsrouten fiel das Radverkehrsaufkommen zuletzt sogar um 13 Prozentpunkte auf den niedrigsten Stand seit den Lockdowns (90 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2019). Das geht aus der aktuellen Ausgabe des Verkehrswende-Radars hervor, einer vierteljährlich erscheinenden Datenanalyse des Thinktanks Agora Verkehrswende.
Als Gründe für die seit der Corona-Pandemie messbaren Veränderungen sieht Agora Verkehrswende am ehesten das Deutschlandticket und die Nutzung von Homeoffice: das eine führe zu mehr Verkehrsleistung pro Person im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr, das andere zu weniger Verkehrsleistung pro Auto. Denn während der Pkw-Bestand stetig zunimmt – mittlerweile 5 Prozent mehr Fahrzeuge als vor der Pandemie – erreicht das Pkw-Verkehrsaufkommen zuletzt nur Werte von 98 Prozent auf Autobahnen und 95 Prozent auf Bundesstraßen. Auch der Lkw-Verkehr bewegt sich seit einer Weile auf einem geringeren Niveau (Autobahnen: 96 Prozent, Bundesstraßen: 87 Prozent). Die Entwicklung des Lkw-Verkehrs hänge auch stark mit der gesamtwirtschaftlichen Lage zusammen, so der Thinktank.
Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und E-Pkw nimmt zu
Anhaltend positive Entwicklungen zeigt der Radar für die Ladeinfrastruktur und das Angebot an Elektrofahrzeugen. So hat sich der Zuwachs an öffentlich zugänglichen Ladepunkten weiter beschleunigt. Vom zweiten auf das dritte Quartal 2025 nahm die Zahl der öffentlich zugänglichen Schnellladepunkte bundesweit um 7,4 Prozent zu, deren kumulierte Ladeleistung sogar um 8,3 Prozent. Im Vergleich zu den öffentlich zugänglichen Normalladepunkten wächst die Zahl der Schnellladepunkte mittlerweile mehr als doppelt so schnell.
Der Durchschnittspreis der verfügbaren vollelektrischen Pkw sank in den kleineren und mittleren Fahrzeugsementen, bei Kleinwagen zum Beispiel von 35.200 auf 34.500 Euro. Die Zahl der verfügbaren E-Modelle nahm in allen Segmenten zu, besonders in der Preisklasse von 20.000 bis 30.000 Euro (plus 38 Prozent), wobei hier das Angebot mit insgesamt 37 Modellen noch relativ klein ist.
Nach Einschätzung von Agora Verkehrswende sollte der Markthochlauf der Elektromobilität stärker politisch flankiert werden. Mit Blick auf die erforderliche Transformation der Automobilindustrie und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr sei das aktuelle Entwicklungstempo zu langsam. Die von der Bundesregierung angekündigte E-Auto-Förderung sei zwar ein wichtiger Schritt, aber weitere müssten folgen.
Über den Verkehrswende-Radar
Der Verkehrswende-Radar ist ein Informationsangebot von Agora Verkehrswende und liefert Kennzahlen zu den Aspekten Verkehrsaufkommen, Nachfrage im öffentlichen Verkehr, Entwicklung von Fahrzeugbestand und Ladeinfrastruktur, Verfügbarkeit von batterieelektrischen Pkw. Die Analyse basiert hauptsächlich auf öffentlich zugänglichen Daten, zum Beispiel von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), vom Statistischen Bundesamt, vom Kraftfahrtbundesamt und vom ADAC. Bei der Aufbereitung der BASt-Daten arbeitet Agora Verkehrswende mit dem Beratungsunternehmen KCW zusammen. Die Daten zum Radverkehr stammen vom Zählstellendienstleister Eco-Counter. Ein Begleitkreis mit Expertinnen und Experten berät Agora Verkehrswende bei der Entwicklung und weiteren Umsetzung des Datenprojekts.
Der Verkehrswende-Radar ist online verfügbar unter:
https://www.agora-verkehrswende.de/veroeffentlichungen/verkehrswende-radar. Alle Infografiken und begleitenden Analysen können auch in einer PDF-Datei als Druckversion heruntergeladen werden.
Über Agora Verkehrswende
Agora Verkehrswende ist ein Thinktank für klimaneutrale Mobilität mit Sitz in Berlin. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft setzt sich die überparteiliche und gemeinnützige Organisation dafür ein, die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor auf null zu senken. Dafür entwickelt das Team wissenschaftlich fundierte Analysen, Strategien und Lösungsvorschläge. Initiiert wurde Agora Verkehrswende Anfang 2016 von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. Gesellschafter sind die beiden Stiftungen. www.agora-verkehrswende.de
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