Verkehrswende-Radar: Verkehr steigt – überwiegend auf Freizeitwegen
Datenanalyse von Agora Verkehrswende zur Entwicklung der Mobilität / Autoverkehr nahezu auf Vor-Corona-Niveau / Rekorddistanzen bei Zugreisen
11. Juni 2026. Der Verkehr mit dem Auto und in öffentlichen Verkehrsmitteln hat 2025 fast wieder ihren Stand von 2019 erreicht. Damit wuchs der Verkehr wie bereits in den Vorjahren, nachdem er 2020 nach Ausbruch der Corona-Pandemie zunächst zurückgegangen war. Wachstum gab es 2025 vor allem bei Wegen zu Freizeitzwecken, während der Berufsverkehr noch immer unter den Werten von 2019 liegt. Das zeigt der Verkehrswende-Radar, eine Datenanalyse des Thinktanks Agora Verkehrswende, die heute erstmals als Jahresauswertung erschien. Die Analyse zeigt zudem, dass Bahnreisen durchschnittlich länger werden, Fahrradverkehr stagniert und Lkw-Verkehr erneut sinkt.
„Auch 2025 waren die Menschen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr öfter und länger unterwegs. Immer deutlicher zeigt sich: Der grundsätzliche Trend eines wachsenden Verkehrs wurde von der Corona-Pandemie nur kurzzeitig unterbrochen. Um den deutschen Klimaschutzzielen dennoch näher zu kommen, braucht es umso dringender einen raschen Umstieg auf Elektromobilität und einen attraktiveren öffentlichen Verkehr als Alternative zum Auto“, sagt Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende.
Autoverkehr ähnlich hoch wie vor Corona
Konkret erreichte das Pkw-Verkehrsaufkommen 2025 im Vergleich zu 2019 auf Autobahnen 99 Prozent und auf Bundesstraßen 97 Prozent. Dabei hat sich die Verteilung des Verkehrs in den Tagesverläufen verändert. An Werktagen lagen die Spitzenwerte zu den Hauptverkehrszeiten auf Autobahnen auch 2025 noch deutlich unter den Werten von 2019. Ausschlaggebend dafür dürfte das häufigere Arbeiten im Homeoffice sein. In der Tagesmitte und an Sonntagen – wenn vor allem Wege zu Freizeitzwecken zurückgelegt werden – wird das Pkw-Aufkommen von 2019 aber mittlerweile überschritten.
Das Verkehrsaufkommen bei Lkw ist indes stark konjunkturabhängig und sank 2025 erneut auf 96 Prozent im Vergleich zu 2019. Der Verkehrswende-Radar gibt darüber hinaus einen Überblick über die Entwicklung des Radverkehrsaufkommens, das insgesamt weiterhin stagniert – besonders in der Alltagsnutzung.
Rekorddistanzen bei Zugreisen
Öffentliche Verkehrsmittel nutzten Menschen 2025 ebenso oder fast so häufig wie vor dem Rückgang durch die Pandemie (Nahverkehr Straße 98 Prozent, Nahverkehr Schiene 100 Prozent, Fernverkehr Schiene 97 Prozent im Vergleich zu 2019). Dabei wurden durchschnittlich längere Wege zurückgelegt. Den höchsten Anstieg verzeichneten S-Bahnen und Regionalzüge: Hier stieg die Verkehrsleistung (Personenkilometer) auf 114 Prozent im Vergleich zu 2019, dem bisherigen Rekordjahr mit vergleichbarer Datenlage. In Fernzügen betrug die Verkehrsleistung 109 Prozent im Vergleich zu 2019.
„Das Wachstum im öffentlichen Verkehr wird vor allem vom Deutschlandticket getrieben, das die Nutzung von Bus und Bahn einfacher und erschwinglicher macht. Ein Teil der Wege wäre sonst mit dem Auto zurückgelegt worden. Das zeigt: Mit attraktiveren Alternativen sind Menschen bereit, ihr Mobilitätsverhalten anzupassen“, meint Philine Gaffron, Projektleiterin Mobilität und Gesundheit bei Agora Verkehrswende.
Die Analyse enthält außerdem zentrale Kennzahlen zur Marktentwicklung und zur Modellvielfalt von E-Autos. Hier zeigt sich ein wachsendes Angebot elektrischer Modelle auch in günstigeren Preisklassen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kann nach Ladeleistung und Art des Standorts nachvollzogen werden – insbesondere Schnellladepunkte innerorts legten deutlich zu.
Der Verkehrswende-Radar ist mit vielen Infografiken hier online verfügbar.
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