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Format
Meldung
Date
16. Juli 2026

Elektromobilität: Politisches Zögern kostet wertvolle Zeit

Grafik von Agora Verkehrswende zur Marktentwicklung von Elektrofahrzeugen in Deutschland und den damit verbundenen politischen Maßnahmen seit 2020

Einordnung von Agora Verkehrswende

Politisches Zögern hat Deutschland beim Markthochlauf der Elektromobilität wertvolle Zeit gekostet. Umgekehrt gilt: Die Politik hat noch viel Spielraum, das Tempo zu erhöhen. Das zeigt ein Blick auf den Marktanteil elektrischer Fahrzeuge seit 2020 in Verbindung mit politischen Maßnahmen (siehe Grafik).

  • Mit der Verschärfung der CO2-Standards für Neuwagen und Kaufzuschüssen nimmt der Absatz von E-Pkw von 2020 bis 2022 deutlich Fahrt auf.
  • Der anschließende Rückgang des Marktanteils, vor allem im Jahr 2024, geht einher mit dem erst schrittweisen und dann abrupten Ende der Kaufzuschüsse.
  • Ab 2025 gehen die Anteile mit der nächsten Stufe der CO2-Standards wieder merklich nach oben.
  • 2026 geben erneute Kaufzuschüsse für private Pkw dem Markt weiteren Auftrieb.

Natürlich spielen weitere Faktoren eine Rolle. Förderlich wirken zum Beispiel das zunehmende Angebot an Fahrzeugmodellen, der Ausbau der Ladeinfrastruktur, technische Weiterentwicklungen, sinkende Fahrzeugpreise, und, wie in diesem Jahr, hohe Spritpreise. Umgekehrt führen eine allgemein schwache wirtschaftliche Entwicklung und höhere Inflationsraten dazu, dass weniger in Neuanschaffungen investiert wird.

Aber gerade zu Beginn des Markthochlaufs einer Zukunftstechnologie hat die Politik einen großen Einfluss – im Guten wie im Schlechten.

Deutschland versucht zwar seit Jahren, den Markthochlauf von Elektrofahrzeugen politisch zu fördern. Gleichzeitig werden aber die Maßnahmen immer wieder infrage gestellt und Zweifel an der Technologie gestreut – etwa durch Diskussionen über angebliche Alternativen, die in der Praxis nicht tragfähig sind (E-Fuels, Biokraftstoffe, „hocheffiziente Verbrenner“); und durch Versuche, die europäischen CO2-Standards für Neufahrzeuge aufzuweichen.

Hinzu kommt, dass bestehende Steuern, Abgaben und Subventionen die mit dem Pkw verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten, insbesondere mit Bezug auf Klima und Umwelt, nur unzureichend berücksichtigen, etwa bei der Besteuerung von Energie, Fahrzeugen (Kfz-Steuer) oder der Nutzung von Dienstwagen.

Für den Automobilstandort Deutschland ist das schädlich. Sowohl Verbraucher:innen als auch Industrie und Investoren werden verunsichert. Planungen werden ungewiss, neue Investitionen bleiben aus, bereits getätigte werden entwertet. Der Wechsel zur Elektromobilität verzögert sich. Etablierte Hersteller verlieren weiter an Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten der Zukunft. Die Risiken für den Arbeitsmarkt nehmen weiter zu. Die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen hält länger an.

Das beste Gegenmittel der Bundesregierung wäre ein klarer Kurs in Richtung Elektromobilität. Das gilt sogar unabhängig vom verfassungsrechtlich gebotenen Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Denn am Ende spricht auch alles andere für Elektromobilität (und, im weiteren Sinne, für eine umfassende Verkehrswende): zum Beispiel Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze, Energiesicherheit, Geopolitik, Bezahlbarkeit und Lebensqualität.

Die Grafikdatei kann auf Deutsch und auf Englisch heruntergeladen werden.