Deutschland droht 2026 erstmals sein Klimaziel zu verfehlen
Einordnung von Agora Verkehrswende zu den aktuellen Emissionsschätzungen von Agora Energiewende
Einordnung von Agora Verkehrswende
Deutschland droht 2026 erstmals sein Klimaziel zu verfehlen. Das zeigen Schätzungen auf Basis vorläufiger Daten zu den Energieabsätzen im ersten Halbjahr 2026, die unsere Schwesterorganisation Agora Energiewende heute veröffentlicht hat. An der Auswertung des Verkehrssektors war Agora Verkehrswende beteiligt.
Bisher verfehlten immer nur einzelne Sektoren ihr Emissionsziel, allen voran der Verkehr. Aber wenn die Emissionen sich weiter so entwickeln wie im ersten Halbjahr, könnte es schon dieses Jahr so weit sein, dass die anderen Sektoren die Defizite im Verkehr nicht mehr ausgleichen können.
Im Verkehr gehen die Emissionen nach den aktuellen Berechnungen im ersten Halbjahr um 4 Millionen Tonnen CO2-Äq zurück. Insgesamt sinken die Emissionen nur geringfügig um bis zu 7 Millionen Tonnen, bis Ende des Jahres könnten es etwa 13 Millionen Tonnen sein. Sein gesetzlich vorgegebenes Emissionsziel von insgesamt 625 Millionen Tonnen für 2026 würde Deutschland damit um etwa 10 Millionen Tonnen überschreiten.
Der Rückgang der Emissionen im Verkehr ist vor allem eine Folge der schwachen Konjunktur und eines dementsprechend geringeren Schwerlastverkehrs. Dies geht einher mit einem geringeren Absatz von Dieselkraftstoff (-6 Prozent). Der Pkw-Verkehr nahm trotz der hohen Kraftstoffpreise kaum ab.
Positiv wirkt sich der zunehmende Absatz von Elektrofahrzeugen aus. Die zum Jahresbeginn im Bestand gemeldeten 2 Millionen Elektrofahrzeuge haben im ersten Halbjahr gemäß Hochrechnung rund 1,4 Millionen Tonnen CO₂-Äq eingespart – selbst unter Berücksichtigung der zusätzlichen Emissionen in der Energiewirtschaft aufgrund des Stromverbrauchs
Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Hochlauf der Elektromobilität weiter beschleunigt. Getrieben ist die Entwicklung – neben den CO2-Flottengrenzwerten – vor allem von der fossilen Energiepreiskreiskrise und der neuen E-Auto-Förderung.
Insgesamt geht die Transformation hin zu klimaverträglichen Technologien allerdings zu langsam voran. Weiterhin fließt Geld, das für Zukunftsinvestitionen genutzt werden könnte, in erhöhte Ausgaben für den Import von Öl und Gas.
Die Lösung liegt im Ausbau der erneuerbaren Energien, in der Elektrifizierung der Energieanwendungen (z. B. Elektromobilität) sowie in der Steigerung der Energieeffizienz und Vermeidung von Energieverbrauch (z. B. Verlagerung auf öffentlichen Verkehr und geteilte Mobilität). Das kann auch den Weg bereiten für mehr Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Lebensqualität.
Für den Verkehrssektor heißt das vor allem:
- Klarer Kurs und hohes Tempo in Richtung Elektromobilität, automatisiertes Fahren und industrielle Transformation
- Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur verbunden mit einer langfristig gesicherten Finanzierung
- Verkehr und Mobilität ressortübergreifend als Zukunftsaufgabe verstehen und im Kabinett verankern
Hier geht es zur Halbjahresbilanz 2026 von Agora Energiewende.
Einen Überblick über unsere Empfehlungen zum Klimaschutz im Verkehr gibt unser Politikpapier Kabinettstück Verkehrswende.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Neuigkeiten auf der Website? Erhalten Sie regelmäßige Informationen über unseren Newsletter.