Der Verkehr rückt ins Zentrum des weltweiten Klimaschutzes

Studie der Agora Verkehrswende und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zu den Herausforderungen in den G20 Ländern

Ohne klimaverträgliche Verkehrspolitik in den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern rückt das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, in weite Ferne. Vor allem die immer noch wachsenden CO2-Emissionen des Straßenverkehrs in den G20-Ländern gefährden die Klimaschutzziele, auf die sich die Weltgemeinschaft im Dezember 2015 in Paris geeinigt hat. Das geht aus einem Report des Berliner Thinktank Agora Verkehrswende und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hervor, der am Rande der Weltklimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde. Die GIZ arbeitete im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUB) an der Studie mit. Um den negativen Trend zu stoppen und für sinkende Emissionen zu sorgen, sind laut der Studie weitreichende Maßnahmen notwendig – darunter die Stärkung des öffentlichen Transports, die Einführung von Straßenbenutzungsgebühren, die Verlagerung des Gütertransports auf Bahnen und Schiffe, die Förderung von Elektroautos und von Ladeinfrastruktur sowie Anreize zur gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen (shared mobility).

„Die Dekarbonisierung des Verkehrs muss ein weltweites Projekt werden, sonst sind die Vereinbarungen des Pariser Klimaschutzabkommens nicht zu halten“, sagt Christian Hochfeld, Geschäftsführer von Agora Verkehrswende. „Die Erderwärmung wird dann Folgen haben, die für Millionen Menschen nicht mehr beherrschbar sind.“

Weltweit emittiert der Transportsektor jährlich mehr als 7 Milliarden Tonnen CO2, das entspricht 23 Prozent des energiebedingten Treibhausgasausstoßes. Das Gros der transportbedingten Emissionen (69 Prozent) stammt aus den G20-Ländern. Dort verursachen Transportaktivitäten pro Kopf einen jährlichen CO2-Ausstoß von 1,1 Tonnen, 20 Prozent mehr als in den nicht der G20 angehörenden Länder.

Die Studie enthält für jedes der G20-Länder eine Bestandaufnahme, die Auskunft über die Umweltrelevanz des nationalen Transportsektors sowie über klimapolitische Ziele und Maßnahmen für den Verkehrssektor gibt. Daraus geht hervor, dass bis Ende 2015 nur ein Land aus der G20-Gruppe (Japan) im Rahmen seines an das zuständige UN-Sekretariat gemeldeten Klimaschutzbeitrags (Intended Nationally Determined Contribution – INDC) ein quantitatives Emissionsminderungsziel für den Verkehrssektor kommuniziert hatte. In den folgenden Jahren folgten Deutschland und Frankreich mit an die UN gemeldeten Sektorzielen für den Klimaschutz im Verkehr. Vier weitere Länder (Brasilien, China, Indien und Südafrika) nennen in ihren INDCs spezifischen Maßnahmen zugeordnete Emissionsminderungsziele und immerhin 12 der 20 Länder erwähnen Maßnahmen, die den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor mindern sollen.

Dem wachsenden Bewusstsein über die Klimarelevanz des Transportsektors steht laut der Agora Verkehrswende/GIZ-Studie allerdings entgegen, dass in den meisten G20 Mitgliedern bestimmte fossile Kraftstoffe (Diesel) oder ihre Nutzung für bestimmte Zwecke (Landwirtschaft) immer noch subventioniert wird. 

„Verkehr ist international mittlerweile ein wichtiger Sektor. Mehr als 105 Länder haben in den vor der Pariser Klimakonferenz übermittelten Klimazielen Maßnahmen im Verkehr definiert - leider ist das noch nicht ausreichend“, so Christian Hochfeld. „Die G20 Länder sollten jetzt vorangehen, weitergehende Maßnahme zu entwickeln und andere Länder dabei mitnehmen.“

Die Studie mit dem Titel "Towards Decarbonising Transport – Taking Stock of G20 Sectoral Ambition“ steht weiter unten kostenfrei zum Download zur Verfügung.

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